Freitag, 7. Oktober 2011

Heute im Salon: Stadt der Engel, Blaue Engel & Engelkuchen

Los Angeles, die Stadt der Engel: Dort verbringt die Erzählerin Anfang der Neunziger einige Monate auf Einladung des Getty Center. Ihr Forschungsobjekt sind die Briefe einer gewissen L. aus dem Nachlass einer verstorbenen Freundin, deren Schicksal sie nachspürt. Eine Frau, die aus dem nationalsozialistischen Deutschland in die USA emigrierte. Sie beobachtet die amerikanische Lebensweise, taucht ein in die Vergangenheit des New Weimar unter Palmen, wie Los Angeles als deutschsprachige Emigrantenkolonie während des Zweiten Weltkriegs genannt wurde. Ein ums andere Mal wird sie über die Lage im wiedervereinigten Deutschland verhört: Wird der Virus der Menschenverachtung in den neuen, ungewissen deutschen Zuständen wiederbelebt? In der täglichen Lektüre, in Gesprächen, in Träumen stellt sich die Erzählerin einem Ereignis aus ihrer Vergangenheit, das sie in eine existentielle Krise bringt und zu einem Ringen um die Wahrhaftigkeit der eigenen Erinnerung führt. (Klappentext)


 "Gerechtigkeit für Christa Wolf!" fordert Jens Jessen nach beschwerlicher wie elektrisierender Lektüre dieses Buchs, das er als "Reise ans Ende der Tugend" und auch ans Ende der Selbstgerechtigkeit beschreibt. Zwar dauere es, schreibt Jessen, bis "Schwung in die Sache" kommt, aber dann beginne der "grandios bis zum Quälenden inszenierte Abstieg von den Eiseshöhen der sozialistischen Tugend". Den Rahmen bilde ein Aufenthalt der Autorin als Stipendiatin der Getty-Foundation just in jener Zeit, als ihre Stasi-Mitarbeit als junge Frau bekannt geworden war. Nach ersten Anflügen von Larmoyanz und Selbstgerechtigkeit werde die mit der Autorin so leicht verwechselbare Hauptfigur und Erzählerin unter der kalifornischen Sonne ganz nüchtern, demütig und weich. Durchwandert, wie man liest aber auch noch einmal das fatale 20. Jahrhundert. Mit literarischer Virtuosität und ungeheurem Sachverstand, der mühelos Zeitebenen wechseln, Identitäten und Selbstbilder miteinander verflechten könne, erschreibe sich Christa Wolf einen Teppich, auf dem sie schließlich den Kämpfen entkommen könne. (Rezensionsnotiz zu Die Zeit, Perlentaucher)

»So erfrischend selbstironisch wie in Stadt der Engel war Christa Wolf wohl noch nie. Stadt der Engel, der lang erwartete Roman der 81-jährigen Ost-Berliner Autorin, ist vieles: ein Buch der Erinnerung und des Abschieds. Eine waghalsige, in zehnjähriger Schreibarbeit entstandene, atemberaubende Selbstbefragung, ja Lebensbeichte. So ungeschützt präsentierte sich Christa Wolf noch nie. ›Jede Zeile, die ich jetzt noch schreibe, wird gegen mich verwendet werden.« (Oliver Pfohlmann Der Tagesspiegel )

»Christa Wolf ist eine Meisterin der deutschen Sprache. Sie überrascht mit längst verschwundenen Wörtern, mit Wortschöpfungen, mit Satzkonstruktionen, die einen schwindelig machen, denen man aber trotzdem ohne Stocken und mit großer Freude an der Vielfältigkeit der Sprache folgen kann. Ich glaube, Stadt der Engel ist Christa Wolfs Offenbarung, vielleicht ihr Vermächtnis.« (Anke Harnack NDR 2 )


Erster Satz

AUS ALLEN HIMMELN STÜRZEN das war der Satz, der mir einfiel, als ich in L.A. landete...  

Schöne Sätze
  • Die Zeit tut was sie kann. Sie vergeht.
  • Bruchteile von Sekunden war ich abwesend, die Erinnerung übertrifft das Licht an Geschwindigkeit.
  • Eine Krise soll ja auch ihre Vorteile haben, jedenfalls behaupten das Leute, die gerade nicht in einer Krise stecken.
  • Signale auf dem mehrspurigen Band, das in einer Endlosschleife in meinem Kopf lief, dessen eine Spur ohne mein Zutun besprochen wurde.
  • Es gibt mehrere Gedächtnisstränge. Das Gefühlsgedächtnis ist das dauerhafteste und zuverlässigste. Warum ist das so? Wird es besonders dringlich gebraucht zum Überleben?
  • ..., es war mein Bedürfnis nach Märchen, nach glücklichen Ausgängen, das mich festhielt, denn ich konnte sicher sein, dass die Star-Treck-Besatzung die edlen Werte der Erdenbewohner in die fernsten Galaxien tragen, sie gegen jeden noch so infamen Feind durchsetzen und dabei selbst nicht zu Schaden kommen würde.
  • Nie mehr wird Achill als etwas anderes denn als Held erscheinen dürfen.
  • Ich hatte in jener Gehirnspur, die für Alltagsverrichtungen zuständig ist, das Busliniennetz von Santa Monica und Los Angele eingespeist ...
  • Doktor Kim, zu dem man auf Strümpfen ging und in dessen Vorraum man in Bambussesseln saß, fragte andere Fragen als andere Ärzte.
  • Ich habe herausgefunden, sagte ich, daß meine Gefühlslage häufig nicht den historischen Ereignissen angemessen ist.
Letzter Satz
Das weiß ich nicht.


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Sticken: Blaue Engel
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Die Stickanleitung gibt's auf Anfrage bei uns





Wir reichen heute Engelkuchen

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Engelkuchen
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Angel Cake
125 gr.Mehl 75 gr.Zucker weiß 10 Stk.Eiweiß, zimmertemperatur 1 TLBackpulver 0.5 PäckchenVanillezucker 200 grZucker 3 TropfenBittermandelaroma oder auch Zitronen- Orangenaroma Puderzucker zum Bestäuben
In einer Schüssel Mehl mit den 75g Zucker vermischen und 3x sieben !
In einer weiteren Schüssel die 10 Eiweiß steif schlagen und nach und nach Backpulver, Vanillezucker, 200g Zucker untermengen und zu einer festen Masse aufschlagen. Zuletzt das Aroma zugeben
Mit einem Schneebesen vorsichtig die Mehlmasse unterheben. (Nicht schlagen sonst fällt der Schnee zusammen)

Teigmasse in eine gefettet und bemehlte Kranzform ( von 26cm Durchmesser ) füllen. ( oder eben eine orginal amerikanische Angelsfood cake -form - diese wird dann weder gefettet oder bemehlt )
Backofen auf 175°C vorheizen und den Kuchen auf mittlerer Schiene für 40-45min backen. Anschliessend den Kuchen in der Form auf ein Kuchengitter umgedreht auskühlen lassen.
Den erkalteten Kuchen vorsichtig aus der Form lösen und mit Puderzucker bestäuben.
Serviervorschlag : Mit frischen Obst und (oder) Schlagsahne.
via



Enjoy this cake! Bis nächsten Freitag im Belletri-stick Salon...

Der Engelkuchen ist heute zu Gast beim Sonntagssüß


Kommentare:

  1. Sehr anregend, das alles. Danke.
    Und liebe Grüsse,
    Brigitte

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  2. Christa Wolf zieht mich immer wieder in ihren Bann! Die Engelchen sind ganz zauberhaft, na und der Kuchen - superlecker!

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  3. Da hör ich ja die Englein singen!
    10 Eiweiß, das heißt: schöner Eigelbvorrat zum Einfrieren ;-)

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  4. Ich möchte bitte die Stickanleitung für die Engelchen! Ich schicke Euch meine Email außerhalb des Kommentars. Und vielen Dank, sie sind so zauberhaft!

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  5. "Doktor Kim fragte andere Fragen als andere Ärzte." Herrlich!!!

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